Publikationen zu
Cyclododecan

 

Vortrag Kopenhagen 01.2005
Konsevierung historischer Kalkputze
Hans-Michael Hangleiter & Leonie Saltzmann

     
   
 

 

 

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1) Kloster Bronnbach

_Veränderungen und Reparaturfasen

_Maßnahmen

2) Deckenbild der Marienkirche in Zeutern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einleitung

 

Ein zentrales Thema bei der Konservierung von Kalkmörteln sind die Haftungsprobleme zum Untergrund, das heißt zum Putzträger.
Kalkputze auf Holzträgern spielen dabei aus zwei Gründen eine ganz besondere Rolle:

Während zu mineralischen Putzträgern eine echte chemisch-physikalische Verbindung hergestellt werden kann, ist dies zu hölzernen Putzträgern nicht möglich. Kurz gesagt, es gibt keine Verklebung, keine direkte Haftung von Kalkputz auf Holz.

Trotzdem sind hölzerne Putzträger enorm verbreitet. Zum einen als verputzte Decken zum andern in Form von Kuppeln, Gewölben und großen Voutendecken die vor allem seit dem 18. Jahrhundert häufig nicht mehr in Mauerwerk, sondern als Holzkonstruktionen ausgeführt werden.
Wir haben uns in den letzten Jahren immer wieder mit dieser interessanten Problematik auseinandergesetzt. Das grundsätzliche Problem seit mehreren Tausend Jahren bekannt. Um zu einer Verbindung zwischen Holzkonstruktion und Kalkmörtel zu kommen, kann keine Verklebung sondern lediglich die mechanische Verklammerung zu guten Ergebnissen führen. Grund dafür ist natürlich die gänzliche Unterschiedlichkeit der beiden Materialien. Vor allem das sehr unterschiedliche Quell- und Schwindverhalten von Kalkmörtel und Holz bei gleichen klimatischen Bedingungen schließen eine erfolgreiche Verklebung aus. Punktuelle Verklebungen und Verschraubungen waren über lange Zeit die Standardlösung der Restauratoren bei dem Versuch, abgerissene Kalkputze wieder an Holzträgern zu befestigen. Inzwischen hat sich glücklicherweise jede ernsthafte Diskussion über Sinn oder Unsinn von Verschraubungen erübrigt. Die katastrophalen Auswirkungen von Putzverschraubungen wurden bereits bei dem Kolloquium 1992 in München drastisch belegt.

Als Beitrag zur Konservierung von bemalten Kalkputzen sollen hier an zwei Beispielen restauratorische Ansätze vorgestellt werden.
Wirklich interessant ist bei diesem Thema, dass die Konservierungsmaßnahmen von der Rückseite des Putzträgers her durchgeführt werden und nicht von der Schauseite.

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1. Beispiel
Kloster Bronnbach

(bei Wertheim in Baden-Württemberg)



Das Zisterzienserkloster ist eine Gründung aus dem 12. Jahrhundert. Zu den Klosteranlagen gehört ein Orangeriebau aus dem 18. Jahrhundert. Dieser ist nordwestlich der Klosterkirche gelegen, und mit seiner Hauptfassade nach Süden ausgerichtet.

Das Gebäude ist derart an dem nach Süden abfallenden Hügel errichtet, dass der hintere Teil des Gebäudes tief im Hang steckt. Drei Wände sind als zweischaliges Mauerwerk errichtet, während die nach Süden ausgerichtete Fassade auf einer Länge von fast 22 m in Holzbauweise errichtet wurde.

Im Erdgeschoß ist sie als Fachwerkkonstruktion ausgebildet, die statt der Ausfachungen Raum für eine großflächige Verglasung zwischen den einzelnen Ständern bietet. Das Obergeschoß der Südseite wird ausschließlich von der alles überragenden verputzten und bemalten Voute gebildet. Die Voute greift über die Grundfläche hinaus, beginnt mit dem Fußpunkt des Obergeschosses und endet unmittelbar unter der Traufkante. Ein Pultdach fällt im Winkel von ca. 30° von hier nach Norden ab.

Die Grundkonstruktion des hölzernen Tragwerks bildet die mit einem Winkel von 83° nach Norden hin geneigte Südfassade, die Geschoßdecke, sowie das Pultdach mit der Voute.

Die lediglich einmal ausgeriegelte Ständerkonstruktion im Erdgeschoß schließt nach oben mit einem durchgehenden Rähm ab, in den die Ständer verzapft sind. Auf diesem liegen, mit Holznägeln fixiert, die Deckenbalken. Doppelte Mauerlatten auf der Nordseite werden von den Balken überkämmt. Der Dachraum des Obergeschosses wird von Bindergespärren aus Deckenbalken, Ständern und Dachsparren gebildet, die mit Leergespärren abwechseln, bei denen der Sparren auf einem als Rähm dienenden Riegel zwischen den Ständern aufliegt. Die Sparren ragen über die Grundfläche bis zur Traufkante hinaus.
Die Volute selbst ist als klassische Bohlen-Lamellenkonstruktion ausgebildet. Als Träger für die geschlossene Verbretterung der Voutenfläche dienen im unteren Bereich (bis auf eine Höhe von ca. 1,50 m) die Balken der geneigten Ständerkonstruktion. Der höher liegende Bereich der Verbretterung wird von rund ausgesägten, aus mehreren Stücken auf Stoß an zusammengeleimten Bohlen (Radius 4,36 m als Spantenkonstruktion getragen, die am Fußpunkt an den Ständern und am Kopfpunkt an den Dachsparren angenagelt wurde. Die Spanten sind jeweils am Bindergespärre befestigt. Unter den Sparren der Leergespärre ist ein im Radius der Spanten gebogenes Brett flächig auf die Verbretterung genagelt.
Die Verbretterung hat eine Brettstärke von ca. 2 cm. Den Putzträger bilden über Kreuz genagelte Spaltruten von ca. 15 mm Breite und 3 mm Stärke. Der Abstand beträgt ca. 15 cm, sodass ein schönes Gitterwerk als Putzträger entstand.
Den Originalputz bildet ein feinkörniger, bindemittelreicher Haarkalkmörtel, der in einer Stärke von ca. 2 cm aufgetragen, und abgerieben wurde.

Die Malerei wurde als Kalkmalerei ausgeführt, jedoch auf den teilweise noch feuchten Putz aufgetragen, so dass in einigen Bereichen eine freskale Bindung entstand. Die gesamte Malerei bedeckt eine enorme Fläche von ca. 22 m Länge und 4,20 m Höhe. Dargestellt sind in üppigen Szenen Allegorien der vier Jahreszeiten und der Kontinente.

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Veränderungs- und Reparaturphasen

Eine erste Reparatur findet in einer Zeit statt, in der die Orangerie noch in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt wurde. Die Maßnahmen beziehen sich auf den Innenraum.

In einer zweiten Maßnahme wurde die Orangerie im Erdgeschoß komplett umgebaut und umgenutzt. Ein Stall wurde angebaut, ein Teil des Erdgeschoßraumes wurde geschlossen und als Scheune genutzt. Der Restteil des Erdgeschosses wurde weiterhin als Gewächshaus genutzt.
Vergleiche von Photos des Schadensbildes 1939 und aktuellen Plänen der Mörtelergänzungen haben ergeben, dass das Gemälde bereits vor 1939 umfassend restauriert wurde. In großflächigen Bereichen wurde der Putz erneuert und die Malerei rekonstruiert. Es liegen aber keine Berichte oder Photos dieser Maßnahme vor.

Eine Restaurierung aus dem Jahre 1939 ist verhältnismäßig gut dokumentiert. Es existieren SW-Aufnahmen, die teilweise erhebliche Schäden und Verluste am malereitragenden Putz der Voute zeigen.
Wahrscheinlich war ein über lange Zeit undichtes Dach Ursache der Schäden, die auch das Gebälk des Dachstuhls betreffen. Der Putzmörtel der bemalten Voute wies vor allem an den Rändern große Fehlstellen auf, sodass die Spaltruten des Putzträgers sichtbar wurden. Im Traufbereich waren auch erhebliche Schäden am Holz vorhanden, die Verbretterung war teilweise verfault und durchgebrochen.

In dieser Restaurierungsphase wurden einige Deckenbalken und Sparren ausgetauscht. Der östliche Teil der äußeren Mauerlatte wurde durch Bruchsteine ersetzt. Die meisten Sparren blieben im Dachstuhl. Das Dach wurde ausgebessert. An der Verbretterung der Voute wurden die beschädigten Bereiche einfach herausgeschnitten und durch neue Bretter ersetzt. Die neuen Bretter wurden durch eine rückseitige Übernagelung von Latten befestigt.

In manchen Bereichen wurde das beschädigte Holz nicht herausgeschnitten, sondern es wurden lediglich Latten von der Rückseite auf die Verbretterung genagelt und die Fehlstelle des Trägers mit Putzmörtel aufgefüllt. Von der Vorderseite her wurden beschädigte oder nicht mehr tragfähige Spaltruten dem Original entsprechend sorgfältig ersetzt.

Vor allem in den Randzonen wurde eine Putzsicherung durch Verschraubungen durchgeführt. Zu den Verschraubungen gehören Unterlegscheiben, die fast überall in den Mörtel eingetieft und wieder überputzt wurden. Die Verschraubungen wurden jedoch auch innerhalb der noch intakten Putzflächen durchgeführt. Teilweise sind die Verschraubungen und die Unterlegscheiben korrodiert. Die Schrauben bestehen aus Aluminium, die Unterlegscheiben aus Messing.

Die Fehlstellen im Putz wurden mit einem, optisch dem Original sehr ähnlichen Haarkalkmörtel ausgebessert.
Eine flächendeckende Putzsicherung wurde vom Dachraum aus durchgeführt. Dazu bohrte man in regelmäßigen Abständen Injektionslöcher in die Verbretterung. Durch diese Löcher verfüllte man die Hohlräume zwischen Verbretterung und Putz großzügig mit einem Injektionsmörtel auf der Basis von Kalk- Kasein.

Die Retuschen und Übermalungen aus dieser Zeit wurden in historischer Kalktechnik durchgeführt.
In einer weiteren Umbauphase 1948 wird in das Erdgeschoß eine Wohnung eingebaut. Das Gemälde ist davon nicht betroffen.
Erst wieder in einer späteren, zeitlich nicht exakt nachvollziehbar, wurden am Gemälde der Voute Konservierungsmaßnamen durchgeführt. Kleinere Fehlstellen, insbesondere in den Schraublöchern, wurden ausgekittet und retuschiert. Die Malschicht wurde zumindest stellenweise mit Kunstharzen gefestigt.

 

Schäden am Holz

Bei der Voruntersuchung im Jahre 2002 wurden ganz erhebliche Schäden am Tragwerk der Voute sowie an den Putzmörteln und Malschichten festgestellt. Ein über lange Zeit undichtes Dach sowie Anobienbefall hatten den Hölzern stark zugesetzt. Ein großer Teil der Dachsparren war nicht mehr tragfähig und musste entweder ganz ausgewechselt oder in Teilen ergänzt werden. Dasselbe galt für die Deckenbalken. Auch die als Spanten (Lamellen) dienenden Bohlen waren in den Leimfugen aufgerissen. Die Verschalung selbst war an vielen Stellen durchgefault oder von Anobien stark geschwächt. Die Ausbesserungen von 1939 erwiesen sich häufig als nicht tragfähig.
Außerdem hatten Anobien und Feuchtigkeit, vor allem in der Umgebung der bereits geschädigten Bereiche, auch die Spaltruten angegriffen. Sie sind teilweise ohne jede Tragfähigkeit.

Schäden am Putz

Die 1939 durchgeführten Konservierungsmaßnahmen hatten einerseits zu neuen Schaden geführt, andererseits vor allem die vorhandenen Schäden nicht behoben. So hatten die Verschraubungen des Putzes mit Aluminiumschrauben und Messingscheiben in den betreffenden Bereichen den Putz stark beschädigt. Es war zu einer Reaktion zwischen dem Aluminium der Schrauben und den Messingscheiben gekommen.
Die Putzfläche wies großflächig stark federnde, kaum mit dem Träger verbundene Bereiche auf.
Ein starkes Rissnetz ist konstruktionsbedingt und nicht als Schaden anzusehen.

Schäden an der Malschicht

Die Malschicht in der oberen Bildhälfte, also im überhängenden Bereich, befand sich in einem sehr guten Zustand. Sie war wenig verschmutzt und zeigte eine glatte intakte Oberfläche.
Der Erhaltungszustand der Malschichten ist deutlich von zwei Faktoren geprägt: einmal die Exposition der betreffenden Flächen gegenüber der Bewitterung. Hier sind natürlich die von Schlagregen stärker betroffenen unteren Zonen stärker reduziert als die oberen. Zum zweiten sind die bindemittelreichen hellen Malereibereiche wesentlich besser erhalten als die stark pigmentierten dunklen Bereiche.

Im Einzelnen lassen sich folgende Schadensbilder unterscheiden:

  • In stark pigmentierten Bereichen haben sich über einer schwach gebundenen Malschicht kleinteilige Krusten gebildet, die sich vom Untergrund lösen und bei geringster Belastung wie starker Wind oder Regen abfallen.
  • In einigen Bereichen können abrollende Malschichtoberflächen beobachtet werden.
  • einzelne Bereiche mit pudernden Malschichtoberflächen.
  • Vergrauungen
  • Glanzstellen in den Bereichen mit der harzigen Fixierung

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Maßnahmen

Maßnahmen an Putz und Malschichten

Für die Konservierungsarbeiten an den gefährdeten Putzmörteln wurde zunächst von der Malschichtseite her gearbeitet. Diese Arbeiten mussten vorgezogen werden, da für die Arbeiten von der Rückseite her eine flächendeckende Kaschierung einschließlich einer mechanischen Absprießung notwendig war.

Zur Vorsicherung der gefährdeten Malschichten die Schollen mit Tylose 30.000 niedergelegt. Für die Arbeiten an den Putzmörteln wurden die betreffenden Bereiche vorübergehend mit Cyclododecan hydrophobiert und versiegelt. Auf diese Weise konnte jede Gefährdung für die Malschichten ausgeschlossen werden.

Zunächst wurden die Verschraubungen entfernt und der Mörtel in den betreffenden aufgelockerten Bereichen verfestigt. Ein Problem stellt der Injektionsmörtel der Maßnahme 1939 dar. Dieser war, wie bereits beschrieben von der Rückseite her durch Bohrlöcher in der Verbretterung injiziert worden. An einigen Stellen konnte zunächst von der Rückseite her durch kleine Kontrollbohrungen mit einem Forstnerbohrer die Festigkeit des betreffenden Injektionsmörtels überprüft und als zunächst ausreichend festgestellt werden. Aus diesem Grund wurde zu diesem Zeitpunkt auf eine strukturelle Durchfestigung des gesamten Putzmörtelpakets mit Kieselsäureester verzichtet. Die Möglichkeit, dies als abschließende Maßnahme noch durchzuführen bleibt weiterhin bestehen.

In der Kontaktzone zwischen dem Injektionsmörtel der 30er Jahre und den originalen Putzmörteln waren allerdings großflächig Haftungsprobleme vorhanden, die mit Syton X30 sehr erfolgreich verklebt werden konnten. Bereits nach Abschluss dieser Maßnahme war in vielen Bereichen keine weitere Injektion mit einer Mörtelsuspension mehr notwendig. Die verbliebenen stark federnden und abgelösten Putzflächen wurden mit einem hydraulisch bindenden Injektionsmörtel (Rezeptur) hinterfüllt Hier war das Ziel, eine Verklammerung zwischen den vorhandenen Spaltruten und dem Putzmörtel wieder herzustellen. Die Schraublöcher wurden mit Luftkalkmörtel (Rezeptur) geschlossen.

Kaschierung

Nach Abschluss der Sicherungsarbeiten von der Malschichtseite wurde mit der Absicherung des Gemäldes für die notwendigen Zimmermannsarbeiten am Tragwerk begonnen. Dazu wurde eine mechanische Sicherung geplant, die aus zwei wesentlichen Komponenten bestand:
Erstens sollte eine vollständig reversible Kaschierung, gebunden in Cyclododecan, aufgebracht werden, die mit einem Vlies armiert, den Putz stabilisieren sollte. Da die Kaschierung für einige Monate stabil sein sollte, musste der Beginn der oberflächlichen Verdunstung zunächst verhindert werden. Dazu wurde über das Cyclododecan eine Schicht Aluminiumfolie aufkaschiert. Um die Verdunstungssperre am Ende der Maßname wieder entfernen zu können wurde das Polyestervlies als Armierung und Trennschicht gleichzeitig verwendet. Das heißt, dass sich das Vlies zusammen mit der Alukaschierung leicht mechanisch abziehen lässt, und die reine Cyclododecanschicht darunter mit der Sublimation beginnt.

Zweitens musste ein Konzept für eine mechanische Absprießung entwickelt werden, die auch großen Belastungen während der Zimmermannsarbeiten und während der partiellen Öffnung der Holzverschalung standhält. Es musste eine vom Gerüst unabhängige Konstruktion sein, um zu vermeiden, dass sich Gerüstbewegungen durch Winddruck etc. auf das Gemälde auswirken.

Die hierfür entwickelte Aluminium Konstruktion wurde direkt mit dem Tragwerk des Orangeriebaus verbunden. Dazu war sie an zwei Sparren im Dachstuhl befestigt und stand unten auf dem Sandsteinsockel des Gebäudes. Sie wies einen Knick auf mittlerer Höhe der Voute auf um sich der Kontur des Gebäudes anzupassen.

Im Bereich der Voute konnten mit Gewindestäben Kanthölzer waagerecht angedrückt werden. Zwischen Kanthölzern und Kaschierung wurden 3 cm starke PE Schaummatten eingelegt, um den Druck zu verteilen. Über senkrecht auf den Matten angebrachten Hartfaserstreifen wurde dann gleichmäßig ausgekeilt.
Diese Absprießkonstruktion überspannte einen Bereich von 4 m. Sie wurde nach Bedarf umgesetzt. 


Reparaturmaßnahmen an der tragenden Holzkonstruktion

Zunächst wurden die Zimmermannsarbeiten an den Sparren sowie an den Deckenbalken durchgeführt. Abschnittsweise wurde die Absprießung für den betreffenden Bereich angebracht und entsprechend dem Baufortschritt umgesetzt.
Die nicht mehr tragfähigen Sparren und Deckenbalken mussten entweder ganz ausgewechselt oder in Teilen ergänzt werden. Diese Arbeiten wurden als sorgfältige Zimmermannsarbeit ausgeführt. Um die Sparren auszuwechseln zu können, die mit einer Spante verbunden waren, musste die Spante vorübergehend exakt in Ihrer Position fixiert werden. Jede Bewegung hätte verheerende Folgen im Gemäldebereich verursacht. Zunächst wurde auf die betroffene Spante zur Verstärkung seitlich eine Multiplexplatte aufgeschraubt, die mit einer Aufhängevorrichtung versehen war. Mit einem reichlich dimensionierten Balkenstück wurde auf die benachbarten Sparren überbrückt und die betroffene Spante mit einem Spannschloss an der Brücke aufgehängt. Die Nagelverbindung konnte dann durchgesägt werden. Nachdem der neue Sparren eingesetzt war, wurde die Spante mit wieder mit dem Sparren verschraubt.

Maßnamen an der Verbretterung

In einem weiteren Schritt mussten die morschen Bereiche der Verbretterung, sowie die Bereiche der Schalung, in denen die Spaltruten nicht mehr tragfähig waren, von der Rückseite der Voute her bearbeitet werden. Auch für diese Arbeiten war die mechanische Absprießung unerlässlich.
Die morschen Bereiche mussten gezielt entfernt werden und die Verbindungen zwischen Spaltruten und Holz durchtrennt werden.

Mit einem Fugenschneider mit oszillierender Holztrennscheibe war ein genaues Herausschneiden der betreffenden Bereiche aus den Schalungsbrettern möglich. Zunächst wurde der beschädigte Bereich bis in den gesunden Holzbereich hinein mit geraden Kanten freigeschnitten. Das zu entfernende Feld wurde anschließend quer zur Maserung in schmale Streifen zersägt und mit dem Stechbeitel so zerlegt, dass die Nagelung der Spaltruten weitgehend ohne mechanische Belastung freigelegt wurde. Nun konnte das restliche Holz ohne Schäden an Putz und Spaltrutengitter entnommen werden. Die Schmiedenägel, die als originale Befestigung der Spaltruten dienten wurden anschließen mit der Zange abgeknipst ebenso wurde mit den von 1939 stammenden Aluminiumschrauben in Bereichen mit neuem oder wiederbefestigten Spaltruten verfahren. Die Spaltruten wurden auf ihre Festigkeit überprüft. Sie waren unter dem durch Wasserschäden verfaulten Holz teilweise von Fäulnis befallen und nicht mehr tragfähig. Tragfähige Spaltruten wurden an ihrer Stelle belassen.
Die nicht mehr tragfähigen Spaltruten wurden entfernt und durch neue Spaltruten oder Bambusstäbe ersetzt.

Für die Wiederbefestigung wurden aus Edelstahl-Schweißdraht kleine Klammern gebogen, die an den Kreuzungspunkten um die Spaltruten geklammert wurden.

Der Putzmörtel wies nicht an allen Stellen eine optimale Verklammerung mit den Spaltruten auf. Daher wurden überall die Spaltruten mit neuem Mörtel überdeckt. Hierfür wurde der bereits für die Injektionen verwendete, hydraulisch gebundene Injektionsmörtel verwendet. (Es wurde lediglich weniger Wasser zugefügt um ihn besser Verarbeiten zu können).
Von der so vorbereiteten Fläche wurde eine genaue Schablone angefertigt auf der die Position der Klammern vermerkt wurde.

Nach dieser Schablone wurde ein passgenauer Deckel angefertigt, der mit zwei senkrecht angebrachten, entsprechend der Voutenkrümmung gebogenen, schichtverleimten Latten auf der Verbretterung gehalten wurde.
An den Stellen mit Edelstahl-klammern wurde der Deckel mit einem 7 mm-Bohrer durchbohrt.

In die aus dem Putz stehenden Ringe der Klammern wurden Edelstahldrähte gefädelt. Diese wurden dann durch die Löcher im Deckel gezogen und mit einem Holzdübel im Loch festgeklemmt und geklebt. Die überstehenden Drähte wurden auf ca. 1 cm gekürzt. Die Enden wurden abgeknickt und rechts und links vom Dübel in das Holz gedrückt.

In der Baubeschreibung werden gebogene Bretter genannt, die unter den nicht bindenden Sparren auf die Verbretterung genagelt sind. Ihre Aufgabe ist vermutlich, die Verbretterung zu stabilisieren und das Verwölben der recht breiten Einzelbretter zu verhindern. Einige von ihnen sind ebenfalls morsch und müssen ersetzt werden. Hierbei ist es problematisch die Bretter nur Stückweise zu ersetzen, da sie die Kräfte auf die gesamte Fläche verteilen.
Es wurde beschlossen diese Bretter komplett zu ersetzen.

Diese Maßname wurde noch nicht durchgeführt, daher kann hier nur das Konzept präsentiert werden.

Zunächst müssen die alten Bretter entfernt werden. Dafür sollen sie zwischen den deutlich sichtbaren Nägeln quer zur Maserung, also horizontal, zersägt werde. Dies soll mit der Handkreissäge durchgeführt werden, da eine präzise Regelung der Schnitttiefe möglich ist. Anschließend werden die Nägel entweder mit einem Eisensägeblatt durchtrennt, oder die Brettabschnitte mit dem Stechbeitel an den genagelten Stellen gespalten.
Die Rückseite muss anschließend gereinigt und auf Schäden überprüft werden. Die Nägel werden entfernt.

Anhand der Pläne der Bauaufnahme wurden bereits im Vorfeld Negativformen der Voute aus Multiplex Platten geschnitten. Auf diesen Brettern werden 7mm starke Weichholzbretter schichtweise aufeinander geleimt. Diese so verleimten Bretter halten ihre Krümmung bei. Beim Wiederanbringen der Bretter an die Voute werden also keine unkontrollierten Kräfte ausgeübt
Die gebogenen Bretter werden mit der originalen Verbretterung mit 3,5mm langen Schrauben verbunden.

 

 

 

 

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2. Beispiel

Das Deckenbild der Marienkapelle in Zeutern
(bei Bruchsal in Baden-Württemberg)

Etwas außerhalb des Dorfkerns befindet sich die Kapelle Matri Dolorosae. Es handelt sich hierbei um eine barocke Kapelle mit spätgotischen Resten, die im 19ten Jahrhundert nochmals stark überarbeitet wurde.

Der einfache Kapellenraum wird durch die Empore gegliedert. Die von außen sichtbare Apsis ist optisch vom Innenraum abgetrennt und wird als Sakristei genutzt. An der Ostwand des Kapellenraums befindet sich ein Barocker Hochaltar, rechts und links davon die Türen zur Sakristei. An der Nordwand befinden sich 3, an der Südwand nur 2 rechteckige Fenster.
Die monochrom hellgrauen Wände schließen zur Decke mit einem weißen Stuckgesims ab. Darüber befindet sich die rötlich gefasste Deckenvoute, die zur Deckenfläche mit einer weißen Stuckleiste abschließt. In der Mitte wird die Decke mit einem Gemälde in weißem Rahmenstuck betont. Dargestellt ist Maria Himmelfahrt.

Der Erhaltungszustand der verputzten Decke war verheerend. Auf großer Fläche hatte sich der Putzmörtel um teilweise mehr als 20 cm abgesenkt. Eine durch den örtlichen Zimmermann durchgeführte Notsicherung hatte vielleicht den Absturz des Gemäldes verhindert.

Der Hauptschaden an der Decke entstand durch eine Ablösung des Putzträgers von der Verbretterung. Die Eisendrähte, die die Rohrmatten halten sollten, waren an vielen Stellen durchgerostet und rutschten aus den Krampen. In der Folge löste sich der Deckenputz zusammen mit den Schilfrohren großflächig vom Holzträger, so dass dieser stellenweise bis zu 20 cm absank.

Das Schadensbild erstreckte sich über die gesamte Putzfläche der Decke.
Da eine Sicherung der unbemalten Deckenflächen einen unverhältnismäßigen Aufwand dargestellt hätte, musste die Fläche außerhalb des Gemäldes mit den stark reduzierten Fassungen des 19. Jahrhunderts abgenommen und neu verputzt werden. Die Südhälfte des Bildes war an keiner Stelle mehr mit der Verbretterung verbunden da sich die Schilfrohrkonstruktion, der eigentliche Putzträger, vollständig gelöst hatte. Eine Abnahme dieser Bereiche war für die Konservierung zwingend notwendig.

Aus dieser Ausgangssituation ergab sich einerseits die Möglichkeit das komplette Gemälde auf einen neuen Träger zu übertragen und andererseits die Möglichkeit die Südhälfte in dieser Weise zu bearbeiten und den Rest in situ zu sichern. Voraussetzung für die erste Variante war die Abnahme des größeren nördlichen Bildbereichs. Dazu musste die Verbindung zwischen Schilfrohrträger und Verbretterung gelöst und die eisernen Krampen über eine Distanz von 2,20 m durchtrennt werden.

Das wäre nicht ohne Schäden am Bild möglich gewesen. Alternativen mit massiven Eingriffen in die Verbretterung wurden verworfen.
Für die zweite Variante musste das noch fest mit der Decke verbundene Fragment zusätzlich gesichert werden, da die vorhandene Aufhängung hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit, nicht beurteilt werden konnte. Nachdem hierfür ein neues Befestigungssystem entwickelt wurde, ergab sich aus dieser Variante die Möglichkeit, auch den völlig abgelösten Bildteil ohne neuen Träger an seinem ursprünglichen Platz in gleicher Weise wieder zu befestigen.

In der Ausgangssituation für die Maßnahmen musste die provisorische Abstützung durch eine neue, vom Gerüst unabhängige Absprießungskonstruktion ersetzt werden, die es ermöglichte jeden Bereich getrennt zu öffnen und auf größere Versätze im Bild einzugehen.
Zunächst wurden die malereitragende Putzflächen an allen erreichbaren Stellen durch eine Kaschierung mit temporären Bindemitteln (Cyclododekan-Schmelze) und Baumwollgaze geschützt. Die Kaschierung sollte Kleinteile vor dem Absturz bewahren und der gesamten Bildfläche durch ihre enorme Zugbelastbarkeit zusätzliche Stabilität geben.

Als Grundgerüst für die Absprießung wurden in Abständen von 55 cm Balken (8 cm x 16 cm) unter die Decke gehängt und mit 12 mm Gewindestäben durch den gesamten Deckenaufbau an den historischen Balken verschraubt.
Auf diesen Balken wurden zunächst die konkret gefährdeten Bereiche mit 50x65cm großen Spanplatten und Biodämmstoffmatten abgestützt. Um einzelne Platten zwischen den Balken herausnehmen zu können, wurde der Balkenabstand etwas größer gewählt.

Am Nördlichen Teil des Bildes war der Kontakt zwischen Putz und Holzträger noch vorhanden, dennoch wurde dieser Teil nach dem gleichen Verfahren abgesprießt.

Die Abnahme der südlichen Bildfläche war notwendig, da die beachtlichen Verformungen und die enormen Mengen an Schutt und eingerieseltem Isolationsmaterial eine unmittelbare Replatzierung verhinderten. Für den in situ verblieben Teil des Deckenbildes (Nordhälfte) wurde ein neues Befestigungssystem entwickelt. Um die Nachteile einer starren Verschraubung auszuschließen, erfolgte eine Befestigung, die einerseits eine stabile Rückverankerung bot und gleichzeitig laterale Bewegung des Holzes zuließ.

 Dazu wurde vom Dachboden aus die Verbretterung bis auf die Putzoberfläche durchbohrt. Die Bohrung wurde dann an der selben Stelle mit geringerem Durchmesser im Putz bis fast an die Malschicht fortgesetzt. In jedes der Löcher wurde eine Edelstahldrahtspirale mit einem hydraulischen Injektionsmörtel (Rezeptur) eingegossen. Als Rückverankerung zum Holzträger diente eine Edelstahlscheibe mit 2 mm Innenbohrung, die das Loch im Deckenbrett komplett abdeckte. Die beiden durch die Innenbohrung geführten Drähte wurden mit einer Lüsterklemme (Messing) stramm angezogen. Auf der Grundlage von Belastungstests für die einzelnen Aufhängungspunkte ließ sich die erforderliche Anzahl Befestigungen ermitteln.

An der abgenommenen Bildhälfte sollte dasselbe Verfahren zur Wiederbefestigung an der Decke verwendet werden.
Die abgenommene Bildhälfte wurde rückseitig von Staub und losem Putz befreit und die Randbereiche gesichert. Um die Deformierungen und die Verkeilungen der Mörtel zu beseitigen und die Malschichtseite plan legen zu können, mussten rückseitig die Risse keilförmig geöffnet werden. Im nächsten Schritt wurde das Bild mit Hilfe eines Greifzugs im Sandwich-Verfahren gedreht.
Nach Ablösung der temporären Kaschierung von der Malereioberfläche konnte die durch Stauchungen beschädigte Malschicht gesichert werden.
Zur Rückmontage musste das Paket wiederum mit der Malschicht nach unten gelegt werden.

Die neue Aufhängung sollte ähnlich dem bereits angewendeten Prinzip einer Aufhängung über einzelne Punkte mit Draht, Scheiben und Lüsterklemmen funktionieren. Hierzu war es erforderlich, die mehrfach zerbrochene Putzplatte als Ganzes mit Hilfe von eingefügten Bambusarmierungen und Injektionsmörtel (Rezeptur) zu stabilisieren.

Auf der Mörtelseite wurden in Richtung der Armierung keilförmig Rillen eingefräst um die neue Befestigungskonstruktion aufzunehmen. In diesem Fall wurden die Edelstahldrähte nicht einzeln in Bohrlöcher eingesetzt, sondern in gleichen Abständen um Bambushölzer gewickelt und vergossen (womit), um eine bessere Lastenverteilung zu gewährleisten. Zur zusätzlichen Sicherung der Mörtelrückseite wurde eine Gewebe Kaschierung aufgeklebt.
Zur Vorbereitung der Montage wurde das Bildfragment auf seiner Trägerkonstruktion unter die Decke gezogen und auf den zu Beginn verwendeten Stützbalken abgelegt. Die Trägerkonstruktion konnte entfernt werden. In die vorbereiteten Führungsschläuche sind die Aufhängungssdrähte gezogen worden, um diese an der Deckenkonstruktion zu befestigen.
Das Fragment wurde an die Decke gedrückt und an den Drähten befestigt.
Die Absprießung konnte nun entfernt werden.

Nach Abschluss der aufwendigen technischen Sicherung des Deckenbildes kamen die notwendigen Restaurierungsmaßnahmen wie Malschichtsicherung, Reinigung, Kittung und Retusche zur Ausführung.

 

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